Überblick
Die ÖBB-Reihe 89 war eine kleine, dreifach gekuppelte Tenderdampflokomotive für den Lokalbahn- und Verschubdienst. Sie ging aus der früheren Reihe 97 der k.k. österreichischen Staatsbahnen und der BBÖ hervor und gehörte zur als „Kaffeemühle“ bekannten Lokomotivbauart. (pospichal.net, bezdruzickalokalka.cz)
Geschichte
Die Ursprünge der Bauart reichen bis 1878 zurück. Die Wiener Neustädter Lokomotivfabrik lieferte damals erste Maschinen für die Strecke Kriegsdorf–Römerstadt. In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Lokomotiven bei mehreren Herstellern für Staats- und Lokalbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. (pospichal.net)
Nach dem Ersten Weltkrieg verteilten sich die Lokomotiven auf verschiedene Nachfolgestaaten. Die in Österreich verbliebenen Maschinen wurden von den BBÖ weiterhin als Reihe 97 geführt. Bei der Deutschen Reichsbahn erhielten übernommene Exemplare Nummern im Bereich 98.70. Die noch für die entsprechende Umzeichnung vorhandenen österreichischen Maschinen wurden ab 1953 als ÖBB-Reihe 89 bezeichnet. (pospichal.net)
Die letzten Exemplare schieden 1958 aus dem ÖBB-Bestand aus. Für die 89.16 ist der 21. November 1958 als Ausmusterungsdatum dokumentiert. (pospichal.net)
Einsatz
Die Lokomotiven waren für leichte Züge auf Neben- und Lokalbahnen bestimmt. Sie beförderten Personen-, Güter- und gemischte Züge und übernahmen Verschubaufgaben. Ihre kompakte Bauweise passte zu den vergleichsweise kurzen Zügen und einfachen Betriebsverhältnissen dieser Strecken. (bezdruzickalokalka.cz)
Für die Ursprungsreihe sind unter anderem Beschaffungen für die Welser Lokalbahn, Mürzzuschlag–Neuberg und Schwarzenau–Zwettl dokumentiert. Die erhaltene 97.73 begann ihren Dienst 1894 auf der Gailtalbahn zwischen Arnoldstein und Hermagor. (pospichal.net, eisenbahnmuseum-heizhaus.com)
Technik
Die Bauartbezeichnung C n2t beschreibt eine Tenderlokomotive mit drei gekuppelten Achsen und einem Zweizylinder-Nassdampftriebwerk. Wasser und Brennstoff wurden auf der Lokomotive mitgeführt; ein eigener Schlepptender war daher nicht erforderlich. Die Kraftübertragung auf die gekuppelten Radsätze erfolgte über Treib- und Kuppelstangen.
Die über Jahrzehnte gebauten Maschinen waren nicht vollständig einheitlich. Deshalb müssen technische Angaben immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Ausführung beziehungsweise einzelnen Lokomotive betrachtet werden. (eisenbahnmuseum-heizhaus.com, kpzcr.cz)
Erhaltene Fahrzeuge
Ein österreichischer Vertreter der Ursprungsreihe ist die 97.73 im Eisenbahnmuseum Strasshof. Sie wurde 1894 von der StEG gebaut, 1929 an die Zuckerfabrik Enns verkauft und später als Denkmal in Linz aufgestellt. Seit 2001 befindet sie sich in Strasshof. Sie wurde selbst nie als ÖBB 89 geführt. (eisenbahnmuseum-heizhaus.com, pospichal.net)
Auch im Ausland sind Lokomotiven dieser Bauart erhalten. Dazu gehört beispielsweise die 1913 gebaute 310.0134, die vom Klub přátel železnic Českého ráje in Turnov betreut wird. Sie gehört zu den verwandten Privatbahnlokomotiven dieser Bauart und trug ursprünglich den Namen „Litovel“. (kpzcr.cz)